Die These ist mehr als provokant: Digitale Medien führen bei Kindern und Jugendlichen zu Gewaltbereitschaft, Übergewicht, Depression und sozialen Abstieg.
Weder die Abstumpfung durch einen hohen Medienkonsum noch der Digital Divide sind neue Themen, allerdings ist die Radikalität neu, die der renommierte Gehirnforscher Manfred Spitzer in seinem aktuellen Buch vertritt. Er spricht von ausgelagerter Hirnarbeit, nachlassender Gedächtnisleistung und absterbenden Nervenzellen. Bei Kindern seien die Folgen besonders schlimm, da die Lernfähigkeit drastisch vermindert würde.
Natürlich sind diese Forschungsergebnisse mehr als alarmierend. Allerdings sollten wir vorsichtig bei Schlussfolgerungen sein. Nicht Computer, Smartphone und Navi allein sind schuld an dieser Entwicklung, sondern vor allem der sorglose und unbedachte Umgang mit ihnen. Wir sollten dafür sorgen, dass die Technik uns das Leben erleichtert, aber nicht das Denken abnimmt – also das Aufnehmen, Bewerten und Verarbeiten von Informationen. Mit einer soliden Bildung, die uns ein Rahmenwissen vermittelt – kein Faktenwissen, dass wir per Google oder Lexikon jederzeit nachschlagen können – können wir und unsere Kinder eine Medienkompetenz entwickeln und Spitzers prophezeiten Gefahren entgegenwirken.
"Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden."
Niklas Luhmann
Juliane
17. August 2012…und hier die Gegenposition dazu: http://www.lead-digital.de/start/mobile/nico_lumma_manfred_spitzers_thesen_langweilen